Die Stadt Hanau hat die Grabstätte des Malers und Lehrers Richard Estler auf dem Friedhof Kesselstadt als Ehrengrab anerkannt. Die Verwaltung begründet den Schritt mit Estlers Bedeutung für die Kunst- und Stadtgeschichte Hanaus. Die Kommune übernimmt die Pflege und Unterhaltung der gesamten Grabstätte, obwohl dort weiterhin Angehörige beigesetzt werden und das Nutzungsrecht noch bis 2029 läuft.
Lebensweg und künstlerisches Werk
Richard Estler wurde am 28. September 1873 in Dresden geboren und starb am 27. Dezember 1952 in Frankfurt am Main. Nach einer ersten Ausbildung an der Gewerbeschule in Dresden studierte er von 1892 bis 1898 an der Kunstgewerbeschule Dresden. 1901 holte ihn Professor Max Wiese an die Zeichenakademie in Hanau, 1921 erhielt er den Professorentitel.
Estler arbeitete als Zeichner, Aquarellist, Holzschneider und Ölmaler. Zu seinen bevorzugten Motiven zählten Landschaften, Naturdenkmale und Altstadtansichten vor allem aus Dresden, Frankfurt und Hanau. Seine Arbeiten wurden regelmäßig im Rhein Main Gebiet sowie in München und Berlin gezeigt. Heute befinden sich viele seiner Werke in Privatbesitz.
Zu seinen Schülerinnen und Schülern zählten unter anderem Louis Wahn, Bernd Oehmichen, Theodor Schäfer, Hans Fehlhaber und Clara Ewald Weinhold.
Karriere in der NS Zeit und Nachkriegsjahre
Estlers Mitgliedschaft in der Loge ‚Braunfels zur Dreieinigkeit‘ geriet während der nationalsozialistischen Herrschaft in Konflikt mit den Machthabern. Ende 1934 wurde er vorzeitig und mit gekürzten Bezügen in den Ruhestand versetzt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte er für kurze Zeit an die Staatliche Zeichenakademie Hanau zurück.
Form und Gründe der Ehrung
Die Stadt hat die Grabstätte als ein zweistelliges Erdwahlgrab in seiner Gesamtheit zum Ehrengrab erklärt. Die Anerkennung erfolgt nach der städtischen Richtlinie zur Ausweisung von Ehrengräbern. Weil in der Grabstätte weiterhin Angehörige beigesetzt werden und die Nutzungszeit noch bis 2029 läuft, wurde dafür eine besondere Regelung getroffen.
Oberbürgermeister Claus Kaminsky erklärte, die Stadt würdige mit der Maßnahme eine herausragende Persönlichkeit der Hanauer Kunst und Stadtgeschichte, deren Wirken über die Stadt hinausstrahle. Stadträtin Isabelle Hemsley hob hervor, Estler stehe beispielhaft für eine Generation von Künstlern, deren Lebenswerk durch die politischen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts geprägt worden sei, und mit dem Ehrengrab solle sein Andenken lebendig gehalten werden.
Mit der Entscheidung übernimmt die Stadt die laufende Pflege und Unterhaltung der Grabstätte. Damit soll die Erinnerung an Estlers Rolle als Künstler, Lehrer und Zeitzeuge gesichert werden.
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