Samstag, 11.07.2026

Digitale Gewalt gegen Frauen: Experten fordern mehr Prävention und bessere Beratung

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Bei einer öffentlichen Veranstaltung in Hanau diskutierten Fachleute über die wachsende Bedeutung digitaler und sexualisierter Gewalt. Die Teilnehmerinnen machten deutlich, dass Formen wie digitale Überwachung, Stalking, Bedrohungen und die Verbreitung intimer oder manipulierter Bilder zunehmend zum Alltag vieler Betroffener gehören und gesamtgesellschaftliche Reaktionen erfordern.

Veranstaltung und Hintergrund

Die Diskussion fand in der Wallonischen Ruine statt. Eingeladen hatten das Frauenburo der Stadt Hanau, das Referat fur Frauenfragen und Chancengleichheit des Main Kinzig Kreises, der Sportkreis Main Kinzig und der 1. Hanauer Lauftreff. Die Veranstaltung zählte zum Begleitprogramm des 25. Hanauer Stadtlaufs, einer lokalen Benefizaktion gegen Gewalt an Frauen mit geplanter Veranstaltung am 18. September.

Stadtratin Isabelle Hemsley wies in ihren einleitenden Worten darauf hin, dass die Vorgehensweisen von Tätern sich veränderten, die zugrundeliegenden Muster aber beständig blieben. Es gehe um Macht, Einschuchterung und Unterdrückung, und die psychischen Folgen für Betroffene könnten noch jahrelang nachwirken. Hemsley betonte zudem, dass digitale Übergriffe oft nicht anonym abliefen, sondern im direkten Umfeld der Betroffenen. Daher sei es notwendig, aufmerksam zu bleiben und hinzuschauen.

Arten digitaler Gewalt und die Rolle des persönlichen Umfelds

Auf dem Podium saßen Vertreterinnen verschiedener Beratungsstellen und Initiativen: Lisa Ortwein von Frauen helfen Frauen Hanau, Brigitte Machnitzke und Christine Bechtel von Frauen helfen Frauen Wächtersbach, Roberta Bandel von Lawine e.V., Corinna Botzum von Hanauer Hilfe e.V. sowie die Rechtsanwältin Zumrut Turan Schnieders. Die Moderation ubernahm Susanne Ruth von Radio Hanau.

Die Diskutantinnen beschrieben ein Spektrum von Delikten: digitale Uberwachung, wiederholtes Stalking, Drohungen und Belastigungen online sowie die Verbreitung intimer Fotos oder manipulierten Materials. Ein gemeinsamer Befund war, dass solche Taten in vielen Fällen innerhalb bestehender Macht und Abhangigkeitsverhaltnisse stattfinden und damit weit mehr sind als ein rein technisches Problem.

Dunkelziffer, Beratung und Praevention

Als zentrales Hindernis nannten die Fachfrauen die hohe Dunkelziffer. Viele Betroffene zogen sich aus Scham, Angst oder Unsicherheit zurück und suchten nicht sofort Hilfe. Vor diesem Hintergrund betonten die Teilnehmerinnen die Bedeutung niedrigschwelliger Beratungsangebote, die individuelle Begleitung erlauben und gemeinsam Schutzstrategien entwickeln.

Gefordert wurden zudem frühzeitige Aufklärung und Sensibilisierung bereits bei Kindern und Jugendlichen sowie kontinuierliche Fortbildungen für Fachkräfte. Ebenso forderten die Diskutantinnen eine bessere personelle und finanzielle Ausstattung von Beratungsstellen, damit Hilfsangebote dauerhaft zur Verfügung stehen. Entscheidungsbefugnis über weitere Schritte solle in jedem Fall bei den Betroffenen bleiben.

Die Veranstalterinnen und Teilnehmenden machten deutlich, dass digitale Gewalt Ausdruck tieferliegender gesellschaftlicher Strukturen ist. Entsprechend sei es wichtig, das Thema sichtbarer zu machen, Betroffene zu stärken und weiter im Austausch zu bleiben. Isabelle Hemsley fasste das Anliegen zusammen und rief dazu auf, nicht wegzusehen, aufmerksam zu sein und Haltung zu zeigen.

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